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Autor: Marc Günther

Findings im Audit bei Matrix-Zertifizierungen: Lokal festgestellt – global zu bewerten

Bei Matrix-Zertifizierungen der kompatiblen Standardnormen wie z.B. ISO 9001 oder ISO 45001 gilt ein zentrales Prinzip:

Ein Finding an einem Standort ist niemals isoliert zu behandeln.

Verpflichtung in der Root Cause Analysis

Tritt eine Abweichung lokal auf, muss im Rahmen der Root Cause Analysis zwingend geprüft werden, ob:

die Ursache systemischer Natur ist, vergleichbare Bedingungen an anderen Standorten bestehen, das Finding dort ebenfalls auftreten könnte.

Gerade in Matrix-Organisationen mit zentral gesteuerten Prozessen liegt die Ursache häufig nicht im Einzelfall, sondern in Strukturen, Vorgaben oder Governance-Mechanismen.

Preventive Action: Wirksam für alle Standorte

Die präventive Maßnahme muss geeignet sein, das Wiederauftreten standortübergreifend zu verhindern.

Eine rein lokale Korrektur reicht nicht aus, wenn die Ursache systemisch ist. Erwartet werden beispielsweise:

– Anpassung zentraler Regelwerke

– globaler Rollout von Maßnahmen

– standortübergreifende Wirksamkeitsprüfung

Fazit

In der Matrix-Zertifizierung bedeutet ein lokales Finding immer: globale Betrachtungspflicht.

Nur wer Ursachen systemisch analysiert und Maßnahmen unternehmensweit implementiert, erfüllt die Anforderungen der Normen und stärkt nachhaltig sein Managementsystem.

ISO 9001 neu gedacht: Qualitätskultur wird auditierbar

Mit der neuen Version der ISO 9001 rückt ein Thema klar in den Fokus: Qualitätskultur. Qualität ist nicht länger nur Prozess, Dokument oder Kennzahl – sie muss (vor)gelebt werden.
Was bedeutet das konkret? Führungskräfte tragen Verantwortung dafür, Qualität sichtbar vorzuleben: durch Entscheidungen, Prioritäten und tägliches Verhalten. Mitarbeitende orientieren sich daran, ob Qualität wirklich zählt – oder nur auf dem Papier steht.
Neu ist: Qualitätskultur wird auditierbar. Auditoren prüfen künftig nicht nur „was“ definiert ist, sondern wie Qualität im Unternehmen verankert ist. Kommunikation, Führung, Lernen aus Fehlern und gelebte Werte rücken ins Zentrum.
Unternehmen sind damit gefordert, Haltung zu zeigen:

* Wie wird Qualität vorgelebt?
* Wie werden Mitarbeitende eingebunden?
* Wie wird kontinuierliche Verbesserung gefördert?
Die Botschaft ist klar: Ohne gelebte Qualitätskultur kein wirksames Qualitätsmanagement mehr. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Kultur bewusst zu gestalten – nicht erst zum Audit.

ISO 9001 im Matrixmodell: Die Matrix-Zertifizierung

Können verschiedene Organisationseinheiten oder Firmen beliebig in einem Matrix-Verfahren zertifiziert werden?

Nein, die Anforderungen an ein Matrix-Verfahren ist zum einen fix reguliert und setzt hohe Anforderungen an die teilnehmenden Unternehmen oder Einheiten.

Die Zertifizierung mehrerer Organisationseinheiten nach ISO 9001 auf Basis eines gemeinsam geführten QMS ist möglich, setzt jedoch klare Rahmenbedingungen voraus. Maßgeblich sind dabei die Anforderungen der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) sowie die Vorgaben aus dem IAF MD 1 des International Accreditation Forum.

Das IAF MD 1 fordert ein zentral gesteuertes QMS mit einheitlichen Kernprozessen wie Dokumentenlenkung, internen Audits und Managementbewertung. Verantwortlichkeiten müssen klar geregelt sein, und Korrekturmaßnahmen müssen systemweit wirksam umgesetzt werden. Auch ist die klare Zuteilung von Befugnissen über alle Unternehmen nachweisbar sein. Ohne diese zentrale Steuerung ist eine gemeinsame Zertifizierung nicht zulässig.

Für die Matrix-Zertifizierung bedeutet das eine transparente Abbildung der QMS-Struktur sowie eine risikobasierte Audit- und Stichprobenplanung über alle beteiligten Einheiten hinweg.

Kurz gesagt: Effizienz durch Matrix-Zertifizierung ja – aber nur bei klarer Systemstruktur, zentraler QMS-Verantwortung und konsequenter Anwendung der IAF-MD-1-Vorgaben.