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Autor: Marc Günther

Änderung der ISO 19011

Während aktuell sehr viel über die (nicht sonderlich umfangreichen) Änderungen der ISO 14001 und bald auch der ISO 9001 geschrieben und gesprochen wird, bleibt eine weitere anstehende Änderung etwas im Hintergrund:

Auch die ISO 19011 wird aktualisiert und bringt tatsächlich einige interessante Änderungen mit sich (Stand Entwurf 2025 / erwartete Veröffentlichung 2026).

Wichtig: Es handelt sich weiterhin nicht um eine zertifizierbare Norm, sondern um einen Leitfaden für Audits.

Hier sind die wichtigsten neuen bzw. erweiterten Anforderungen/Schwerpunkte gegenüber der Version von 2018:

🔧 1. Stärkerer Fokus auf Remote- und Hybrid-Audits

  • Remote-Audits werden erstmals umfassend geregelt
  • Gleichwertigkeit zu Vor-Ort-Audits wird betont
  • Anforderungen an:
    • IT-Tools
    • Datensicherheit
    • Kommunikation
      👉 Ziel: Audits flexibler und digital durchführen

⚠️ 2. Deutlich stärkerer risikobasierter Ansatz

  • Risiko steuert stärker:
    • Auditplanung
    • Auditumfang
  • Fokus auf „wesentliche Risiken“ statt „alles prüfen“
    👉 effizientere Audits

🏭 3. Mehr Gewicht auf Lieferanten- und Supply-Chain-Audits

  • Lieferantenaudits werden wichtiger
  • Bewertung von:
    • Lieferkettenrisiken
    • Stabilität und Resilienz
      👉 besonders relevant für globale Unternehmen

💻 4. Digitalisierung & Einsatz von Tools

  • Digitale Auditmethoden werden konkret beschrieben:
    • Datenräume
    • Video-Audits
    • Analyse-Tools
  • Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Dokumentation steigen
    👉 Digitalisierung wird „Standard“, nicht Zusatz

🧠 5. Höhere Anforderungen an Auditor-Kompetenzen

  • Erweiterte Kompetenzprofile:
    • digitale Fähigkeiten
    • Risikobewertung
    • Soft Skills (z. B. Kommunikation remote)
      👉 Auditoren müssen vielseitiger werden

🧭 6. Modernisierung des Auditansatzes insgesamt

  • stärker:
    • praxisorientiert
    • flexibel
    • technologiegestützt
  • Ziel: mehr Mehrwert durch Audits (nicht nur Kontrolle)

Kurz gesagt:

Die neue ISO 19011 macht Audits

➡ digitaler

➡ risikoorientierter

➡ nachhaltigkeitsbezogener

➡ flexibler (Remote/Hybrid)

🔄Zentrale Neuerungen ISO 14001:2026

1. Neue Struktur (Harmonized Structure)

  • Umstellung auf die „Harmonized Structure (HS)”
  • Einheitlicher Aufbau für alle ISO-Managementnormen
    ➡️ erleichtert Integration mit z. B. ISO 9001 oder ISO 45001

🌍 2. Stärkerer Fokus auf Klimawandel & Nachhaltigkeit

  • Klimarisiken und Klimachancen müssen systematisch berücksichtigt werden
  • Biodiversität und Ressourcenverbrauch rücken stärker in den Fokus
  • Bezug auf die aktuellen regulatorischen Entwicklungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung
    ➡️ Teil der globalen Klimaziele (ISO Climate Agenda)

🔗 3. Mehr Verantwortung entlang der Lieferkette

  • Umweltaspekte müssen über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet werden
  • stärkere Kontrolle von Lieferanten und externen Prozessen

♻️ 4. Erweiterte Lebenszyklusbetrachtung

  • Produkte/Dienstleistungen müssen über den gesamten Lebenszyklus bewertet werden
  • z. B. Rohstoffe, Nutzung, Entsorgung

🧠 5. Strategischere Rolle im Unternehmen

  • Umweltmanagement wird stärker Teil der Unternehmensstrategie
  • Führung und Verantwortung (Top-Management) werden wichtiger
  • Einbezug eines strukturierten Ansatzes für Änderungsmanagement

⚖️ 6. Fokus auf Risiken UND Chancen

  • Nicht nur Risiken minimieren
  • sondern auch Chancen nutzen (z. B. Innovation, Kreislaufwirtschaft)

📊 7. Strengere Anforderungen an Daten & Reporting

  • bessere Umweltkennzahlen
  • klarere Anforderungen an Kommunikation & Berichte

🧾 8. Klarere Formulierungen (keine Revolution)

  • eher Weiterentwicklung statt kompletter Umbruch
  • viele Anforderungen werden präziser formuliert

Übergangsfrist

  • 3 Jahre Zeit zur Umstellung

📌 Fazit

Die ISO 14001:2026 bringt keine radikalen Änderungen, sondern:

  • mehr Fokus auf Klimaschutz & Nachhaltigkeit
  • stärkere Integration in die Unternehmensstrategie
  • mehr Transparenz & Lieferkettenverantwortung

👉 Für Unternehmen heißt das:

bestehende Systeme anpassen – aber nicht komplett neu aufbauen.

🌍 ESG-Ratings: Zwischen Effizienz und „Tick-the-Box“-Mentalität

Wer im Einkauf oder im Nachhaltigkeitsmanagement tätig ist, kommt an ihnen nicht mehr vorbei: Plattformen wie EcoVadis oder IntegrityNext sind mittlerweile der Standard, wenn es darum geht, die Lieferkette transparent zu machen.

Diese Tools haben definitiv ihre Daseinsberechtigung. Als erster Schritt im Lieferantenmanagement sind sie sogar unerlässlich, um eine breite Datenbasis zu schaffen und Risiken überhaupt erst sichtbar zu machen. Aber – und hier müssen wir ehrlich sein – ein hohes Rating ist nicht automatisch gleichbedeutend mit echter ökologischer oder sozialer Exzellenz.

Warum wir die Ergebnisse kritisch hinterfragen müssen:

* Algorithmus vs. Realität: Viele Bewertungen basieren auf einer (teilweise KI-gestützten) Analyse von Dokumenten. Wer genau weiß, welche Schlagworte das System „hören“ will, erzielt oft bessere Ergebnisse – unabhängig davon, wie die Praxis im Betrieb aussieht.

* Der „Kleine-Unternehmen“-Nachteil: Der schiere Umfang der Fragebögen überfordert KMU oft. Ein kleiner Betrieb mit exzellenten Werten scheitert eventuell an der Bürokratie, während Großkonzerne ganze Abteilungen für das „Reporting-Game“ abstellen.

* Audit vs. Assessment: Ein Desktop-Assessment ist keine Vor-Ort-Prüfung. Während ein Audit tief in die Prozesse blickt, bewertet die Plattform primär die Qualität der Dokumentation.

* Ressourcen-Shift: Es besteht das Risiko, dass Unternehmen mehr Zeit damit verbringen, „für den Score“ zu optimieren, anstatt diese Energie direkt in echte Nachhaltigkeitsprojekte zu investieren.

* Standardisierung vs. Innovation: Starre Raster lassen oft wenig Raum für individuelle, branchenspezifische Ansätze, die vielleicht effektiver sind als die standardmäßig geforderte „Policy“.

Mein Fazit:

Die Plattformen sind ein hervorragendes Startsignal, aber nicht die Ziellinie. Wer echte Nachhaltigkeit in der Lieferkette will, muss über das Dashboard hinausblicken. Wir brauchen den Dialog mit den Lieferanten und – bei kritischen Warengruppen – den direkten Blick vor Ort.

Ein Rating ist eine Indikation, keine Garantie.

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