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Autor: Marc Günther

ESG und Sozialaudits: Auch ohne neue Regulierung weiterhin entscheidend

Auch wenn regulatorische Anforderungen wie die ESRS oder das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) derzeit stark im Fokus stehen: ESG und Sozialaudits bleiben unabhängig davon ein zentrales Thema für Unternehmen – auch in Deutschland.

Warum?

👍 Risiko- und Reputationsschutz: Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Umweltstandards werden weiterhin von Kunden, Investoren und Öffentlichkeit kritisch beobachtet.

🌍 Marktzugang und Kundenanforderungen: Viele internationale Geschäftspartner verlangen ESG-Nachweise und Sozialaudits längst als Teil ihrer Lieferantenqualifizierung.

🚨 Resiliente Lieferketten: Transparenz über soziale und ökologische Risiken stärkt Stabilität und Planbarkeit der Supply Chain.

⚖️ Langfristige Wettbewerbsfähigkeit: Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend von einer Compliance-Pflicht zu einem echten Differenzierungsfaktor.

Kurz gesagt: ESG und Sozialaudits sind nicht nur Regulierung – sie sind Teil verantwortungsvoller Unternehmensführung und nachhaltiger Wertschöpfung.

Gerade für deutsche Unternehmen mit globalen Lieferketten bleibt das Thema daher hoch relevant.

👉 Wir unterstützen Unternehmen dabei sowohl strategisch im Bereich ESG und Sozialaudits als auch bei der Vorbereitung auf Zertifizierungs- und Kundenaudits, um Anforderungen strukturiert und effizient zu erfüllen.

#ESG #Sustainability #SupplyChain #Sozialaudits #Compliance

Ist eine Schulung eine geeignete Maßnahme zur Bearbeitung eines Findings?

In Audits liest man regelmäßig als Reaktion auf ein Finding:

„Mitarbeiter wird nachgeschult.“

Doch ist eine Schulung wirklich eine geeignete Maßnahme zur nachhaltigen Bearbeitung? Die ehrliche Antwort: Ja und Nein.

Schulung als kurzfristige Korrekturmaßnahme

Eine Schulung ist durchaus geeignet, um:

– Mitarbeitende kurzfristig zu sensibilisieren

– Aufmerksamkeit zu schaffen

– Regelabweichungen unmittelbar zu adressieren

– Formale Compliance wiederherzustellen

Als Sofortmaßnahme kann eine Schulung sinnvoll sein.

Aber: Als nachhaltige Maßnahme ist sie in den seltensten Fällen ausreichend.

Warum Schulung fast nie die Root Cause ist

Wird im Rahmen einer strukturierten Ursachenanalyse (z. B. 5-Why-Methode oder Ishikawa-Diagramm) systematisch gefragt, zeigt sich schnell:

„Fehlende Schulung“ ist praktisch nie die Grundursache.

Beispiel: Warum ist das Finding aufgetreten?

→ Mitarbeiter nicht geschult.

Damit ist die Analyse jedoch nicht beendet.

Warum waren sie nicht geschult? War das Thema neu? Wurde das Risiko im Vorfeld nicht erkannt? Wurde es im Schulungskonzept übersehen? Fehlt es im Einarbeitungsplan? Gab es kein systematisches Schulungsmanagement?

Ist die Verantwortlichkeit unklar?

Hier liegen die systemischen Schwachstellen.

Angenommen eine strukturierte Einarbeitung ist erfolgt, die Unterweisungen dokumentiert und Prozesse sind klar beschrieben:

Warum sollte die Wiederholung derselben Schulung zu einem anderen Ergebnis führen als beim ersten Mal?

Wenn der Inhalt bekannt war, aber nicht umgesetzt wurde, liegt das Problem nicht im Wissen. Es liegt im System.

Typische tatsächliche Ursachen hinter Findings

Eine fundierte Root Cause Analysis offenbart häufig andere Ursachen:

– Zeit- oder Leistungsdruck: Mitarbeitende können Anweisungen faktisch nicht einhalten.

– Fehlende Ressourcen: Werkzeuge, Personal oder Infrastruktur sind unzureichend.

– Ungünstige Prozessgestaltung: Der Prozess widerspricht der praktischen Realität.

– Fehlende Führungskultur: Vorgaben werden implizit relativiert („Hauptsache Output stimmt“).

– Unklare Verantwortlichkeiten: Niemand fühlt sich zuständig.

Diese Faktoren sind struktureller Natur.

Und sie lassen sich nicht durch eine PowerPoint-Schulung beheben.

Schulung als „i-Tüpfelchen“ – nicht als Lösung

Eine erneute Schulung kann sinnvoll sein:

– zur Kommunikation geänderter Prozesse

– zur Sensibilisierung nach Beseitigung der Ursache

– zur Verankerung neuer Standards

Sie ist nicht die Beseitigung der Grundursache, sondern maximal deren Begleitmaßnahme.

Die nachhaltige Wirksamkeit entsteht erst durch Anpassung von Prozessen mit klaren Verantwortlichkeiten, realistischer Ressourcenplanung und wirksamen Führungsverhalten.

Eine Schulung ist eine schnelle, oft bequeme Maßnahme – aber sie ersetzt keine Ursachenanalyse.

Wenn Wissen vorhanden ist, aber Verhalten abweicht, liegt das Problem selten im Wissen sondern im System.

Bildnachweis: www.freepik.de

Findings im Audit bei Matrix-Zertifizierungen: Lokal festgestellt – global zu bewerten

Bei Matrix-Zertifizierungen der kompatiblen Standardnormen wie z.B. ISO 9001 oder ISO 45001 gilt ein zentrales Prinzip:

Ein Finding an einem Standort ist niemals isoliert zu behandeln.

Verpflichtung in der Root Cause Analysis

Tritt eine Abweichung lokal auf, muss im Rahmen der Root Cause Analysis zwingend geprüft werden, ob:

die Ursache systemischer Natur ist, vergleichbare Bedingungen an anderen Standorten bestehen, das Finding dort ebenfalls auftreten könnte.

Gerade in Matrix-Organisationen mit zentral gesteuerten Prozessen liegt die Ursache häufig nicht im Einzelfall, sondern in Strukturen, Vorgaben oder Governance-Mechanismen.

Preventive Action: Wirksam für alle Standorte

Die präventive Maßnahme muss geeignet sein, das Wiederauftreten standortübergreifend zu verhindern.

Eine rein lokale Korrektur reicht nicht aus, wenn die Ursache systemisch ist. Erwartet werden beispielsweise:

– Anpassung zentraler Regelwerke

– globaler Rollout von Maßnahmen

– standortübergreifende Wirksamkeitsprüfung

Fazit

In der Matrix-Zertifizierung bedeutet ein lokales Finding immer: globale Betrachtungspflicht.

Nur wer Ursachen systemisch analysiert und Maßnahmen unternehmensweit implementiert, erfüllt die Anforderungen der Normen und stärkt nachhaltig sein Managementsystem.