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Autor: Marc Günther

Auch wenn das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) aktuell von vielen als „zahnloser Tiger“ wahrgenommen wird und wirtschaftliche Themen wie Kostenoptimierung, Resilienz oder geopolitische Risiken stärker in den Fokus rücken – die Notwendigkeit von Social Compliance und ESG-Audits in der Lieferkette ist keineswegs verschwunden. Im Gegenteil.

Unternehmen, die jetzt nachlassen, verkennen ein strukturelles Thema: Transparenz, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten und nachhaltige Beschaffung sind längst keine rein regulatorischen Anforderungen mehr, sondern entwickeln sich zu einem integralen Bestandteil von Risikomanagement und Wettbewerbsfähigkeit.

Warum?
Erstens steigen die Erwartungen von Kunden, Investoren und Geschäftspartnern kontinuierlich – unabhängig von nationalen Gesetzesverschärfungen oder -abschwächungen. Zweitens bleiben Reputationsrisiken entlang der Lieferkette real und potenziell existenzbedrohend. Drittens ist absehbar, dass auf europäischer Ebene (Stichwort: CSDDD) die Anforderungen mittel- bis langfristig wieder anziehen werden.

Social Compliance und ESG-Audits liefern dabei nicht nur „Pflichterfüllung“, sondern schaffen belastbare Daten, identifizieren Risiken frühzeitig und ermöglichen gezielte Verbesserungsmaßnahmen. Sie sind damit ein operatives Steuerungsinstrument – nicht nur ein Häkchen auf der Compliance-Checkliste.

Kurz gesagt: Wer jetzt investiert, baut robuste, zukunftsfähige Lieferketten auf. Wer abwartet, verschiebt Risiken lediglich in die Zukunft.

Nachhaltigkeit ist kein konjunkturelles Thema. Sie ist strukturell.

Änderung der ISO 19011

Während aktuell sehr viel über die (nicht sonderlich umfangreichen) Änderungen der ISO 14001 und bald auch der ISO 9001 geschrieben und gesprochen wird, bleibt eine weitere anstehende Änderung etwas im Hintergrund:

Auch die ISO 19011 wird aktualisiert und bringt tatsächlich einige interessante Änderungen mit sich (Stand Entwurf 2025 / erwartete Veröffentlichung 2026).

Wichtig: Es handelt sich weiterhin nicht um eine zertifizierbare Norm, sondern um einen Leitfaden für Audits.

Hier sind die wichtigsten neuen bzw. erweiterten Anforderungen/Schwerpunkte gegenüber der Version von 2018:

🔧 1. Stärkerer Fokus auf Remote- und Hybrid-Audits

  • Remote-Audits werden erstmals umfassend geregelt
  • Gleichwertigkeit zu Vor-Ort-Audits wird betont
  • Anforderungen an:
    • IT-Tools
    • Datensicherheit
    • Kommunikation
      👉 Ziel: Audits flexibler und digital durchführen

⚠️ 2. Deutlich stärkerer risikobasierter Ansatz

  • Risiko steuert stärker:
    • Auditplanung
    • Auditumfang
  • Fokus auf „wesentliche Risiken“ statt „alles prüfen“
    👉 effizientere Audits

🏭 3. Mehr Gewicht auf Lieferanten- und Supply-Chain-Audits

  • Lieferantenaudits werden wichtiger
  • Bewertung von:
    • Lieferkettenrisiken
    • Stabilität und Resilienz
      👉 besonders relevant für globale Unternehmen

💻 4. Digitalisierung & Einsatz von Tools

  • Digitale Auditmethoden werden konkret beschrieben:
    • Datenräume
    • Video-Audits
    • Analyse-Tools
  • Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Dokumentation steigen
    👉 Digitalisierung wird „Standard“, nicht Zusatz

🧠 5. Höhere Anforderungen an Auditor-Kompetenzen

  • Erweiterte Kompetenzprofile:
    • digitale Fähigkeiten
    • Risikobewertung
    • Soft Skills (z. B. Kommunikation remote)
      👉 Auditoren müssen vielseitiger werden

🧭 6. Modernisierung des Auditansatzes insgesamt

  • stärker:
    • praxisorientiert
    • flexibel
    • technologiegestützt
  • Ziel: mehr Mehrwert durch Audits (nicht nur Kontrolle)

Kurz gesagt:

Die neue ISO 19011 macht Audits

➡ digitaler

➡ risikoorientierter

➡ nachhaltigkeitsbezogener

➡ flexibler (Remote/Hybrid)

🔄Zentrale Neuerungen ISO 14001:2026

1. Neue Struktur (Harmonized Structure)

  • Umstellung auf die „Harmonized Structure (HS)”
  • Einheitlicher Aufbau für alle ISO-Managementnormen
    ➡️ erleichtert Integration mit z. B. ISO 9001 oder ISO 45001

🌍 2. Stärkerer Fokus auf Klimawandel & Nachhaltigkeit

  • Klimarisiken und Klimachancen müssen systematisch berücksichtigt werden
  • Biodiversität und Ressourcenverbrauch rücken stärker in den Fokus
  • Bezug auf die aktuellen regulatorischen Entwicklungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung
    ➡️ Teil der globalen Klimaziele (ISO Climate Agenda)

🔗 3. Mehr Verantwortung entlang der Lieferkette

  • Umweltaspekte müssen über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet werden
  • stärkere Kontrolle von Lieferanten und externen Prozessen

♻️ 4. Erweiterte Lebenszyklusbetrachtung

  • Produkte/Dienstleistungen müssen über den gesamten Lebenszyklus bewertet werden
  • z. B. Rohstoffe, Nutzung, Entsorgung

🧠 5. Strategischere Rolle im Unternehmen

  • Umweltmanagement wird stärker Teil der Unternehmensstrategie
  • Führung und Verantwortung (Top-Management) werden wichtiger
  • Einbezug eines strukturierten Ansatzes für Änderungsmanagement

⚖️ 6. Fokus auf Risiken UND Chancen

  • Nicht nur Risiken minimieren
  • sondern auch Chancen nutzen (z. B. Innovation, Kreislaufwirtschaft)

📊 7. Strengere Anforderungen an Daten & Reporting

  • bessere Umweltkennzahlen
  • klarere Anforderungen an Kommunikation & Berichte

🧾 8. Klarere Formulierungen (keine Revolution)

  • eher Weiterentwicklung statt kompletter Umbruch
  • viele Anforderungen werden präziser formuliert

Übergangsfrist

  • 3 Jahre Zeit zur Umstellung

📌 Fazit

Die ISO 14001:2026 bringt keine radikalen Änderungen, sondern:

  • mehr Fokus auf Klimaschutz & Nachhaltigkeit
  • stärkere Integration in die Unternehmensstrategie
  • mehr Transparenz & Lieferkettenverantwortung

👉 Für Unternehmen heißt das:

bestehende Systeme anpassen – aber nicht komplett neu aufbauen.