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Autor: Marc Günther

„Haben Sie ausgelagerte Prozesse?“

Diese Frage kommt in nahezu jedem ISO 9001-Audit. Und erstaunlich oft herrscht Unsicherheit darüber, was damit eigentlich gemeint ist.

Nicht jede externe Unterstützung ist automatisch ein ausgelagerter Prozess.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen hat keine eigene Personalabteilung. Die komplette Personaladministration wird dauerhaft von einem externen Dienstleister übernommen. Da hier ein betrieblicher Prozess ausgelagert wurde, der für das Qualitätsmanagement relevant ist, handelt es sich um einen ausgelagerten Prozess.

Anders sieht es aus, wenn lediglich einzelne Leistungen eingekauft werden – zum Beispiel die Durchführung eines internen Audits durch einen externen Auditor. Hier bleibt die Verantwortung vollständig im Unternehmen. Das ist keine Auslagerung, sondern eine eingekaufte Dienstleistung. Der Dienstleister muss jedoch qualifiziert und bewertet werden.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

Die ISO 9001 macht eines ganz klar: Verantwortung kann nicht ausgelagert werden. Auch wenn ein externer Partner einen Prozess übernimmt, bleibt Ihr Unternehmen dafür verantwortlich, dass dieser wirksam funktioniert. Deshalb müssen ausgelagerte Prozesse identifiziert, gesteuert und regelmäßig überwacht werden.

Mein Merksatz lautet:
👉 Nicht jede externe Dienstleistung ist ein ausgelagerter Prozess. Entscheidend ist, ob ein externer Partner dauerhaft einen Prozess übernimmt, der eigentlich Teil Ihres Unternehmens und Ihres Qualitätsmanagementsystems ist.

Warum Root Cause Analysis bei Findings so wichtig ist

Bei der Bearbeitung von Findings liegt die unmittelbare Lösung oft auf der Hand: Die festgestellte Abweichung wird durch eine passende Abstellmaßnahme korrigiert und das akute Problem ist zunächst beseitigt. Damit ist das Finding jedoch nicht zwangsläufig nachhaltig gelöst.

Häufig behandelt eine reine Korrekturmaßnahme lediglich das Symptom, nicht aber die eigentliche Ursache. Wird der Grund für die Abweichung nicht identifiziert und beseitigt, besteht ein hohes Risiko, dass das gleiche Finding zu einem späteren Zeitpunkt erneut auftritt. Dies führt nicht nur zu wiederkehrendem Aufwand, sondern kann auch die Wirksamkeit des Managementsystems und das Vertrauen von Kunden, Auditoren oder anderen Stakeholdern beeinträchtigen.

Genau hier setzt die Root Cause Analysis (Ursachenanalyse) an. Sie hilft dabei, die tatsächlichen Ursachen hinter einer Abweichung systematisch zu ermitteln. Auf Basis dieser Erkenntnisse können gezielte Korrekturmaßnahmen festgelegt werden, die nicht nur das aktuelle Problem beheben, sondern dessen Wiederauftreten langfristig verhindern.

Eine sorgfältige Ursachenanalyse macht aus der reinen Fehlerbehebung einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Sie sorgt dafür, dass Organisationen aus Abweichungen lernen, Prozesse nachhaltig verbessern und die Anzahl wiederkehrender Findings reduzieren. Deshalb ist die Kombination aus Ursachenanalyse und wirksamen Korrekturmaßnahmen ein zentraler Erfolgsfaktor für ein effektives Qualitäts- und Compliance-Management.

#PDCA #KVP #RootCauseAnalysis

Nichtkonformität im ISO-Audit festgestellt – und jetzt?

Eine Nichtkonformität ist kein Weltuntergang. Sie zeigt, dass Prozesse verbessert werden können. Entscheidend ist, wie Unternehmen damit umgehen.

🔹 Korrektur: Zunächst wird der festgestellte Mangel behoben. Das Ziel ist, die unmittelbare Abweichung zu beseitigen.

🔹 Ursachenanalyse: Danach gilt es zu verstehen, warum die Nichtkonformität überhaupt entstanden ist. Nur wer die tatsächliche Ursache kennt, kann nachhaltig handeln.

🔹 Korrekturmaßnahme: Auf Basis der Ursachenanalyse werden Maßnahmen definiert und umgesetzt, damit die Abweichung nicht erneut auftritt.

Doch was passiert, wenn bis zum nächsten Audit keine Bearbeitung erfolgt ist oder die erforderlichen Nachweise fehlen?

Wird eine Nebenabweichung bis zum nächsten Audit nicht bearbeitet oder können keine belastbaren Nachweise zur Korrektur, Ursachenanalyse und Korrekturmaßnahme vorgelegt werden, bleibt dies nicht folgenlos: Eine nicht bearbeitete Nebenabweichung wird in der Regel zur Hauptabweichung hochgestuft.

Zusätzlich zeigt sich damit ein systemisches Problem im Umgang mit Nichtkonformitäten. Bei ISO 9001 kann dies beispielsweise auch zu einer Abweichung gegen die Anforderungen zum Umgang mit Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen führen – weil der Prozess zur Bearbeitung, Nachverfolgung und Wirksamkeitsbewertung nicht ausreichend funktioniert.

ISO-Managementsysteme leben vom kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Nicht die Abweichung selbst ist entscheidend – sondern der professionelle und nachvollziehbare Umgang damit.

#ISO9001 #Qualitätsmanagement #Nichtkonformitäten