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Autor: Marc Günther

ISO 9001 im Matrixmodell: Die Matrix-Zertifizierung

Können verschiedene Organisationseinheiten oder Firmen beliebig in einem Matrix-Verfahren zertifiziert werden?

Nein, die Anforderungen an ein Matrix-Verfahren ist zum einen fix reguliert und setzt hohe Anforderungen an die teilnehmenden Unternehmen oder Einheiten.

Die Zertifizierung mehrerer Organisationseinheiten nach ISO 9001 auf Basis eines gemeinsam geführten QMS ist möglich, setzt jedoch klare Rahmenbedingungen voraus. Maßgeblich sind dabei die Anforderungen der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) sowie die Vorgaben aus dem IAF MD 1 des International Accreditation Forum.

Das IAF MD 1 fordert ein zentral gesteuertes QMS mit einheitlichen Kernprozessen wie Dokumentenlenkung, internen Audits und Managementbewertung. Verantwortlichkeiten müssen klar geregelt sein, und Korrekturmaßnahmen müssen systemweit wirksam umgesetzt werden. Auch ist die klare Zuteilung von Befugnissen über alle Unternehmen nachweisbar sein. Ohne diese zentrale Steuerung ist eine gemeinsame Zertifizierung nicht zulässig.

Für die Matrix-Zertifizierung bedeutet das eine transparente Abbildung der QMS-Struktur sowie eine risikobasierte Audit- und Stichprobenplanung über alle beteiligten Einheiten hinweg.

Kurz gesagt: Effizienz durch Matrix-Zertifizierung ja – aber nur bei klarer Systemstruktur, zentraler QMS-Verantwortung und konsequenter Anwendung der IAF-MD-1-Vorgaben. 

EU AI Act: KI-Schulungen sind seit Februar 2025 Pflicht

Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet der EU AI Act Unternehmen, Mitarbeitende, die KI nutzen, in der sicheren und verantwortungsvollen Anwendung zu schulen (Art. 4).

Wer ist betroffen?

Alle Unternehmen – unabhängig von Größe oder Branche – sowie alle Mitarbeitenden mit direktem oder indirektem KI-Bezug.

Was gehört in die Schulung?

Grundlagen zu Funktionsweise, Chancen und Risiken von KI

Umgang mit Bias, Halluzinationen und potenziellen Schäden

Rechtliche Pflichten (EU AI Act, DSGVO, Urheberrecht)

Praxisnaher Einsatz, z. B. korrektes Prompting

Warum wichtig?

Auch ohne direkte Bußgelder gilt die Schulung als Sorgfaltspflicht. Fehlende Qualifizierung kann zu Haftungsrisiken, Vertrauensverlust und Wettbewerbsnachteilen führen.

Merken:

Schulungen sollten rollenbasiert erfolgen und dokumentiert werden. Spätestens mit Blick auf August 2026 (Hochrisiko-KI) lohnt es sich, jetzt strukturiert zu handeln.

ISO 9001:2026 – Qualitätskultur und ethisches Verhalten als neue Führungsaufgabe

Mit der kommenden Revision der ISO 9001 zeichnet sich ein neues Thema ab, das über klassische Qualitätsmanagement-Themen hinausgeht. Nach dem aktuellen Entwurf wird Kapitel 5 künftig zwei neue Begriffe aufnehmen: Qualitätskultur und ethisches Verhalten. Damit rücken Werte, Haltung und Führungsverantwortung stärker in den Fokus der Norm.

Die oberste Leitung wird ausdrücklich verpflichtet, in beiden Bereichen Führung zu übernehmen. Es reicht künftig nicht mehr aus, Prozesse bereitzustellen und Kennzahlen zu überwachen. Gefordert ist ein aktives Vorleben und Fördern einer Kultur, in der Qualität und Ethik integrale Bestandteile des Handelns sind.

Was bedeutet „ethisches Verhalten“?

Eine der zentralen Fragen lautet: Wie können Unternehmen ethisches Verhalten systematisch umsetzen – und wie lässt sich dieses Thema auditieren? Auch wenn in den kommenden Monaten noch offizielle Auslegungen zu erwarten sind, lassen sich bereits heute belastbare Ansatzpunkte identifizieren.

Ethisches Verhalten beginnt immer bei der Führung. Die oberste Leitung setzt den Rahmen, indem sie definiert, welches Verhalten als korrekt, akzeptabel und wünschenswert gilt – intern wie extern. Dabei können unternehmenseigene Werte ebenso einfließen wie bestehende nationale oder internationale Standards.

Vom Werteverständnis zum Code of Conduct

In der Praxis mündet dieser Prozess häufig in einem strukturierten Verhaltenskodex. Solche Kodizes sind insbesondere aus dem (Social-)Compliance-Umfeld bekannt und haben sich dort bewährt. Neu ist nun, dass vergleichbare Konzepte explizit im Kontext des Qualitätsmanagementsystems relevant werden.

Ein Code of Conduct allein genügt jedoch nicht. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung:

– Integration in bestehende Prozesse und Regelwerke

– Ableitung konkreter Arbeits- und Verhaltensanweisungen

– Schulung aller relevanten Mitarbeitenden

– Klare Benennung von Verantwortlichkeiten zur Überwachung und Weiterentwicklung

Verbindung zur Qualitätskultur

Gerade im Qualitätsmanagement ergeben sich zahlreiche Schnittstellen. Themen wie Fehlerkultur, offene Kommunikation, respektvoller Umgang oder transparente Entscheidungsfindung sind sowohl Ausdruck einer gelebten Qualitätskultur als auch ethisches Selbstverständnis. Unternehmen, die hier bereits reif aufgestellt sind, werden von den Neuerungen profitieren. Für andere kann die ISO 9001:2026 ein wichtiger Impuls sein, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.

Ausblick: Neue Anforderungen, bekannte Prinzipien

Auch wenn die Begriffe neu in der Norm verankert werden, sind die zugrunde liegenden Prinzipien nicht neu. Die ISO 9001:2026 macht jedoch deutlich, dass nachhaltige Qualität ohne Kultur und Ethik nicht denkbar ist. Für Unternehmen bedeutet das: weniger Checklisten, mehr Haltung – und für Auditoren die Aufgabe, genau dieses Zusammenspiel aus Führung, Kultur und gelebter Praxis nachvollziehbar zu bewerten.