ISO 9001:2026 – Qualitätskultur und ethisches Verhalten als neue Führungsaufgabe
Mit der kommenden Revision der ISO 9001 zeichnet sich ein neues Thema ab, das über klassische Qualitätsmanagement-Themen hinausgeht. Nach dem aktuellen Entwurf wird Kapitel 5 künftig zwei neue Begriffe aufnehmen: Qualitätskultur und ethisches Verhalten. Damit rücken Werte, Haltung und Führungsverantwortung stärker in den Fokus der Norm.
Die oberste Leitung wird ausdrücklich verpflichtet, in beiden Bereichen Führung zu übernehmen. Es reicht künftig nicht mehr aus, Prozesse bereitzustellen und Kennzahlen zu überwachen. Gefordert ist ein aktives Vorleben und Fördern einer Kultur, in der Qualität und Ethik integrale Bestandteile des Handelns sind.
Was bedeutet „ethisches Verhalten“?
Eine der zentralen Fragen lautet: Wie können Unternehmen ethisches Verhalten systematisch umsetzen – und wie lässt sich dieses Thema auditieren? Auch wenn in den kommenden Monaten noch offizielle Auslegungen zu erwarten sind, lassen sich bereits heute belastbare Ansatzpunkte identifizieren.
Ethisches Verhalten beginnt immer bei der Führung. Die oberste Leitung setzt den Rahmen, indem sie definiert, welches Verhalten als korrekt, akzeptabel und wünschenswert gilt – intern wie extern. Dabei können unternehmenseigene Werte ebenso einfließen wie bestehende nationale oder internationale Standards.
Vom Werteverständnis zum Code of Conduct
In der Praxis mündet dieser Prozess häufig in einem strukturierten Verhaltenskodex. Solche Kodizes sind insbesondere aus dem (Social-)Compliance-Umfeld bekannt und haben sich dort bewährt. Neu ist nun, dass vergleichbare Konzepte explizit im Kontext des Qualitätsmanagementsystems relevant werden.
Ein Code of Conduct allein genügt jedoch nicht. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung:
– Integration in bestehende Prozesse und Regelwerke
– Ableitung konkreter Arbeits- und Verhaltensanweisungen
– Schulung aller relevanten Mitarbeitenden
– Klare Benennung von Verantwortlichkeiten zur Überwachung und Weiterentwicklung
Verbindung zur Qualitätskultur
Gerade im Qualitätsmanagement ergeben sich zahlreiche Schnittstellen. Themen wie Fehlerkultur, offene Kommunikation, respektvoller Umgang oder transparente Entscheidungsfindung sind sowohl Ausdruck einer gelebten Qualitätskultur als auch ethisches Selbstverständnis. Unternehmen, die hier bereits reif aufgestellt sind, werden von den Neuerungen profitieren. Für andere kann die ISO 9001:2026 ein wichtiger Impuls sein, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Ausblick: Neue Anforderungen, bekannte Prinzipien
Auch wenn die Begriffe neu in der Norm verankert werden, sind die zugrunde liegenden Prinzipien nicht neu. Die ISO 9001:2026 macht jedoch deutlich, dass nachhaltige Qualität ohne Kultur und Ethik nicht denkbar ist. Für Unternehmen bedeutet das: weniger Checklisten, mehr Haltung – und für Auditoren die Aufgabe, genau dieses Zusammenspiel aus Führung, Kultur und gelebter Praxis nachvollziehbar zu bewerten.